Demo gegen Nazis

Wie jedes Jahr marschierten Rechtsextremisten aus ganz Europa in Dresden auf, um die Erinnerung an die Luftangriffe in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 für ihre Zwecke zu missbrauchen. Dieses Jahr waren es wohl rund 6000 Nazis, die versuchten, für ihre geschichtsverklärende Weltanschauung zu werben.
Zum Glück gibt es engagierte Menschen, die dem nicht tatenlos zusehen wollen. So zeigten etwa 7500 Gegendemonstranten, dass die Mehrzahl der Deutschen nichts mit dem braunen Gedankengut zu tun haben will und statt dessen eine friedliche Welt bevorzugt, die aus den in der Vergangenheit gemachten Fehlern gelernt hat. Aus diesem Grund fuhren auch wir von den Grünen und der Grünen Jugend nach Dresden, und zwar mit der Bahn. Zuvor riefen wir alle Bürger auf, uns zu begleiten,  auf unsere Kosten. Die Görlitzer Presse gab diesen Aufruf an ihre Leser weiter und wir wurden die Alternative zu den von dem DGB organisierten Bussen.
Treffpunkt war die Görlitzer Bahnhofshalle am Samstag Vormittag 10.15Uhr. Unsere Gruppe bestand letztendlich aus 14 Personen, jung und alt. Nach etwas über einer Stunde Zugfahrt trafen wir im Bahnhof Dresden-Neustadt an, wo 13Uhr einer der drei Demonstrationszüge starten sollte. Das bedeutete, erst einmal Warten zu müssen. Auf dem Schlesischen Platz vor dem Bahnhof waren bereits Informationsstände von Bündnis 90/Die Grünen und der SPD aufgebaut, an denen es das passende Demo-Zubehör gab, also Sticker, Pins, Schilder und Flaggen. Der SPD danken wir für die Trillerpfeifen.
Der Start des Demozuges verzögerte sich auf etwa 13.30Uhr. Bis dahin gab es viel zu sehen: „Clowns gegen Nazis“, Polizei, viele andere bunte Demonstranten und noch mehr Polizei. Die Grüne Samba-Trommelgruppe „green igelz“ (www.green-igelz.de) half uns mit ihrem Rhythmen, gegen die Kälte anzutanzen. Die Ladefläche eines kleinen LKWs wurde zur Bühne, auf der neben einem Veranstalter Thomas Jurk (SPD) und Cornelia Ernst (Die Linke) zu Wort kamen. Leider waren beide nicht zu verstehen.
Dann setzte sich der Demozug in Bewegung und wurde von der fahrbaren Bühne begleitet, auf der eine Rockband spielte. Die Demoroute verlief parallel zu den Bahnschienen in Richtung Dresdner Altstadt, überquerte die Elbe und hatte ihren ersten Zwischenstopp am Haus der Presse. Dort versuchten wir mit selbst mitgebrachten Tee und Keksen der Kälte zu trotzen. Auf dem kleinen LKW kamen nun Franziska Drohsel (SPD), Kathrin Henneberger (Grüne Jugend), Julia Bonk (Die Linke) und Alexy Kozlov (Youth Human Rights Movement) zu Wort. Ein Veranstalter teilte mit, dass etwa 6000 Nazis in der Stadt demonstrieren, die Anzahl der Gegendemonstranten aber auf alle Fälle größer sei. Gemeinsam mit einem zweiten Demozug, der am Wettiner Platz startete, ging es nun weiter bis vor den Sächsischen Landtag, wo die nächste Zwischenkundgebung stattfand. Auf dem Weg dorthin sorge eine Blaskapelle bei uns für Stimmung. Vor dem Landtag redeten Andre Hahn (Die Linke), Annelie Buntenbach (DGB), Martin Dulig (SPD) und Johannes Lichdi (Bündnis 90/ Die Grünen), waren aber leider auch nicht gut zu verstehen von unserem Standpunkt aus. Dafür konnten wir viel Polizei beobachten, ist ja auch was.
Das letzte Stück der Demoroute führte uns zum Theaterplatz vor der Semperoper, wo 16Uhr die Abschlusskundgebung stattfand. Eine große Bühne war aufgebaut und Sebastian Krumbiegel von den Prinzen begrüße mit einem Lied den ankommenden Demonstrationszug. Auf diesem Platz stieß auch der dritte Demozug dazu. Verschiedene Musiker, Schauspieler und Politiker standen auf dem Kundgebungsprogramm. Die Kälte überredete uns aber dazu, nicht das ganze Programm anzuschauen. Also brachen wir in Richtung Bahnhof Mitte auf, um von dort aus wieder nach Görlitz zu fahren. Unsere Gruppe hatte sich schon lange in der Demonstration verstreut, so dass wir nur noch zu viert waren. Während der ganzen Demo keinen Nazi gesehen mussten wir im Zug erstmal durch ein Abteil, das voll war von denen. Eine eigenartige aber harmlose Situation. Unbeschadet, geschafft und stolz, dabei gewesen zu sein, kamen wir wieder in Görlitz an.

Die Grüne Jugend und die Grünen in Görlitz danken den Görlitzerinnen und Görlitzern, die sich mit uns auf den Weg nach Dresden gemacht haben, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen.
Vielen Dank auch an die Görlitzer Redaktion der Sächsischen Zeitung für ihre zahlreichen Aufrufe an ihre Leser.
Bis zum nächsten Jahr!


Ausgangspunkt des Demozuges war der Bahnhof Neustadt. Foto: Joachim Schulze
Clowns gegen Nazis. Foto: Elisabeth Mochner
Spaß mit der Polizei. Foto: Elisabeth Mochner
Der Infostand der Grünen. Foto: Joachim Schulze
Foto: Joachim Schulze
Die green igelz sorgten für Stimmung. Foto: Elisabeth Mochner
Nazis? Nein danke! Foto: Joachim Schulze
Der Platz füllt sich. Foto: Elisabeth Mochner
Von den Ordnern auf eine halbe Straßenseite gequetscht. Foto: Joachim Schulze
Zwichenhalt vor dem Haus der Presse. Foto: Joachim Schulze
Der kleine LKW mit Bühne auf der Ladefläche. Foto: Joachim Schulze
Zwischenstopp vor dem Parlament. Foto: Joachim Schulze
Die Grüne Jugend Dresden mit ihrem Transparent. Foto: Joachim Schulze
Und mit einem zweiten Transparent. Foto: Joachim Schulze
Die Bühne auf dem Theaterplatz für die Abschlusskundgebung. Foto: Joachim Schulze
Jeder ist mitverantwortlich... Foto: Joachim Schulze
Viele Leute auf dem Theaterplatz. Foto: Joachim Schulze
Foto: Elisabeth Mochner
Rückfahrt vom Bahnhof Mitte. Foto: ein Fremder mit Elisabeths Kamera