Dresden Nazifrei

- Ein Erfahrungsbericht -
von Anne und Philipp

Im Februar 2009 marschierten Neonazis durch die Dresdener Altstadt um ihre fremdenfeindlichen und rassistischen Parolen zu verbreiten und außerdem die Geschichte Dresdens zu verklären. Viele BürgerInnen versuchten mit Protesten den Aufmarsch zu stoppen – aber es gelang nicht.
Im Februar 2010 marschierten keine Neonazis, die lautstark ihre Parolen skandieren, durch Dresden, sondern sie zogen unverrichteter Dinge wieder vom Bahnhof Neustadt ab – was war dieses Mal anders?
Ein breites Bündnis von Menschen und Organisationen hatte erneut zu Protesten beiderseits der Elbe aufgerufen.
Am linken Elbufer versammelten sich die Menschen zu Friedensgebeten und bildeten eine lange Kette, um einerseits symbolisch die Altstadt vor den Nazis zu schützen und gleichzeitig so ihren Zusammenhalt über verschiedene Schichten, Religionen und Weltanschauungen hinweg zu zeigen und aller Opfer des 2. Weltkrieges zu gedenken.
Zur gleichen Zeit demonstrierten auf der rechten Elbseite ebenfalls viele BürgerInnen gegen den geplanten Aufmarsch.
So wurde im Vorfeld bereits zu Sitzblockaden und damit zu einer Art zivilen Ungehorsams aufgerufen, damit der Naziaufmarsch nicht in Bewegung kommen kann. Faszinierend dabei war, dass verschiedenste Gesellschaftsgruppen teilnahmen – alte und junge Menschen, Bürgerliche, Linke und auch Autonome, vereint in den Protesten gegen Rechts.
Dazu wurden auch kreative Demonstrationsmethoden genutzt, so wurden die Gleise der Bahn blockiert, so dass einerseits keine weiteren Nazis anreisen konnten und andererseits durch die Zugausfälle auch die Bevölkerung zu Diskussionen angeregt wurde, inwieweit Demonstrationen
gestattet anstatt kriminalisiert werden sollten; aber auf der anderen Seite auch, dass die Proteste gute und deutliche Signale – die verhinderte Anreise von weiteren Neonazis – sind und damit zeigen dass kein faschistisches Gedankengut in Dresden gewollt ist. Aber somit wird auch deutlich,
dass es nicht ausreichend ist, wenn sich fern von den Nazis an den Händen gefasst wird, sondern dass es auch ein Erfolg der Blockierer war, dass der Naziaufmarsch nicht zu Stande kam.
Der Erfolg zeigt, dass in einer toleranten Bevölkerung kein Platz für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist und es gerade auch deswegen weiterhin wichtig ist, Flagge gegen rassistisches und fremdenfeindliches Gedankengut zu zeigen, egal ob in Dresden, Chemnitz, Leipzig, Görlitz oder auch Zittau.
Außerdem gebührt Dank an alle Beteiligten, egal ob bei den Blockaden oder bei der Menschenkette, alle haben diesen Tag zu einem friedlichen und mahnenden Tag werden lassen.
Wenn es im nächsten Jahr möglich wäre alle demokratischen Kräfte in einem aktiven Protest gegen die Nazis zu vereinen, dann würde dieses Signal noch stärker sein.

Treffpunkt des Bündnisses "Dresden Nazifrei" am Hauptbahnhof <br> (Foto von: Philipp Schwarzbach)