Inklusion statt Aussonderung

Mittwoch, 08. Juni 2011
von Kathrin Schneiß-Donke

Wege zu einer Schule für alle

Mehr als 60 Interessierte folgten der Einladung der BündnisGRÜNEN Landtagsfraktion (kurz: LTF) zur Podiumsdiskussion zum inklusiven Schulsystem am Dienstag, den 07. Juni 2011, ins Görlitzer Camillo.

Nach einem einführenden Film, der Ausschnitte aus dem Alltag der inklusiven Berliner Fläming-Grundschule zeigte und einigen grundsätzlichen Worten von Elke Herrmann, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion zum Thema und zur UN- Behindertenrechtskonvention, entspann sich eine lebhafte, kontroverse und teils emotional geführte Diskussion mit den Vertretern auf dem Podium

  • Elke Herrmann, sozialpolitische Sprecherin der LTF BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN,  
  • Gottfried Semmling, Sprecher des Kreisverbandes Görlitz, Moderator,
  • Prof. Susanne Römer, Hochschule Zittau/Görlitz, Inclusive Studies,
  • Steffen Hanke, Schulleiter der Grundschule Görlitz/Königshufen,
  • Martina Kasper, Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule, Schule für geistig Behinderte

und den Gästen im Publikum.

Allgemeine Befürchtungen zu den Möglichkeiten und Grenzen einer gelingenden Umsetzung dieses pädagogischen Konzeptes, sowie die Sorge, Bildungspolitik könne ideologisch instrumentalisiert werden, wurden angesprochen.

Es wurde aber auch grundsätzliche Kritik am sächsischen Schulsystem geäußert: strukturelle Probleme, ein kaum zu bewältigender Schulalltag usw. Leider relativ wenig Beachtung fand das Argument, dass eine umfassende humanistische Bildung mehr sein muss als das Heranziehen von Menschen, die in der Wirtschaft bestehen müssen.

Berichte über die Arbeit mit schwerstbehinderten Schülern gaben einen tiefen Einblick in die anspruchsvolle Arbeit der Pädagogen – und ließen erahnen, welch hohe Ansprüche an die Umgestaltung der Schulen hin auf dem Weg zur „einen Schule für alle“ gestellt werden müssen.  

Frau Prof. Römer ermunterte, „Schule neu zu denken“ bzw. „anders denken zu lernen“.

Das Gutachten des Berliner Professors Ulf Preuß-Lausitz, welches im Auftrag der GRÜNEN Landtagsfraktion erstellt wurde, bestätigt, dass gemeinsames Lernen von Vorteil für alle Beteiligten ist: Schüler mit Behinderungen werden in gemischten Lerngruppen besser angeregt, während die anderen in ihrer sozialen Kompetenz gestärkt werden.

„Gegen ein separierendes System wie in Sachsen sprächen auch die Fakten: 85% der Förderschüler blieben ohne Abschluß, bundesweit seien es 76%.“ (Freie Presse Chemnitz 5.2.2011)  

Die guten Ergebnisse, die Sachsen bei bundesweiten Vergleichen, wie Kompetenztests, belegt, rühren daher, dass sie nur an Regelschulen, von denen Schüler mit Förderbedarf weitestgehend „aussortiert“ sind, durchgeführt werden und sind daher kein Beweis für ein leistungsstarkes Schulsystem.

Es gab auch viele Berichte aus der Praxis, die Mut machen: z.B. die geglückte Umsetzung von Integration in der Grundschule Königshufen und der Scultetus-Mittelschule Görlitz, wo die Kollegien mit unglaublichem Engagement, Willen und der Bereitschaft, eigene Grenzen zu überschreiten, erfolgreich den Weg zur Integrationsschule gegangen sind – hierauf lässt sich aufbauen.  

Bei aller Polarisierung, bei allem Pro und Kontra sollte eines nicht aus dem Focus geraten - der gemeinsame Ansatz aller Beteiligten ist: Wir wollen das Beste für alle Kinder!

Das Beste auch und vor allem mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention: das ist der Weg der gegangen werden muss, der Prozess, den es zu gestalten gilt. Wir sollten uns die Gestaltung dieses Weges nicht aus der Hand nehmen lassen, sollten vorhandene Kompetenzen und Netzwerke bündeln, nutzen und ausbauen.

Die sächsische Staatsregierung ist dringend gefordert, diesen Prozess endlich überzeugend mit den notwendigen finanziellen und rechtlichen Mitteln voran zu bringen.

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