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Regionalverband Görlitzer Umland

Berzdorfer See: Naturverträgliche Nutzung: ohne Zugangsbeschränkungen für die Bevölkerung – Gemeinwohl vor Profit-Interessen!

Die Mitgliederversammlung des bündnisGRÜNen Regionalverbandes „Görlitzer Umland“ nimmt die seit rund einem Jahr laufende und sich derzeit durch die Veröffentlichung der sog. Leitidee zur touristischen Entwicklung des Berzdorfer Sees geführte Diskussion mit Interesse zur Kenntnis – und erkennt zugleich große Gefahren für die langfristige Entwicklung der Region mit der einseitigen, schwerpunktmäßig auf Profit ausgerichteten Strategie. Hier werden wir uns schwerpunktmäßig einbringen, um zu erreichen, dass die hiesige Bevölkerung bei den anstehenden Planungen und Beschlüssen nicht ins Hintertreffen gerät.

 

Folgende Eckpunkte bilden für uns den Rahmen für das weitere Vorgehen:

 

  • der Name „Berzdorfer See“ soll erhalten bleiben
  • ein durchgehender Rundweg um den See soll für die Bevölkerung frei zugänglich sein
  • gesperrte Bereiche soll es nur aus naturschutzrechtlichen und Sicherheitsgründen, nicht aber zur Sicherung der ProfitInteressen einzelner, geben
  • Motorsport auf dem See wollen wir nicht zulassen; die jüngste Entscheidung der Staatsregierung zur „Liberalisierung“ für motorisierte Wasserfahrzeuge lehnen wir strikt ab
  • eine Nutzung des angrenzenden Geländes als Standort für Forschung & Entwicklung mit mehreren Hundert Arbeitsplätzen ist mit der Freizeit- und Erholungsfunktion des Areals ebenso unvereinbar wie dauerhaftes Wohnen.

 

 

 

Begründung:

Jahrelang wartete m/f in Görlitz und der Region darauf, dass der Berzdorfer See endlich vollständig gefüllt und erschlossen ist. Das Versprechen, die geschundene Natur der Bevölkerung als Freizeit- und Naturerlebnisort zurück zu geben – mit lediglich aus naturschutzrechtlichen und Sicherheitsgründen gesperrten Bereichen – sollte endlich eingelöst werden. Nachdem über einen recht langen Zeitraum alles eher „gemächlich vor sich hin plätscherte“, der eine oder andere Investor hochgejubel wurde – und wieder verschwand, hat spätestens im Jahr 2013 der wahrnehmbare Konflikt um die zukünftige Nutzung des Berzdorfer Sees erkennbare Konturen erhalten: abgetrennte

Bereiche, die einzig den Profit-Interessen einzelner dienen sollen oder ein funktionierendes 3-Länder Projekt, das allen Menschen aus dem Dreiländereck Deutschland – Polen – Tschechien offen steht, um gemeinsam die Freizeit zu verbringen und „Völkerverständigung“ im besten Sinne zu leben? „Luftschlösser“ zu bauen, geht immer schneller, als

Investitionsruinen wieder zu beseitigen. Allein die Vorstellung, am Berzdorfer See würden ca. 3.600 Übernachtungsplätze mit einer durchschnittlichen jährlichen Auslastung von 60 % langfristig realisierbar sein, ist an Tollkühnheit wohl kaum zu überbieten. Bestehende, etablierte Hotels und Gaststätten in Görlitz und den umliegenden Gemeinden werden massiv unter dieser Konkurrenz zu leiden haben. Der langfristige wirtschaftliche Schaden für die

Region dürfte nicht unerheblich sein. Hier ist eine Abwägung dringend geboten. Forschungs- und Entwicklungsinstitute müssen nicht im unmittelbaren Umfeld des Berzdorfer Sees errichtet werden – im nahe gelegenen Hagenwerder befindet sich ein erschlossenes Gewerbegebiet mit noch freien Flächen. Möglicherweise angefachte Investitionen könnten dort vermutlich sogar noch schneller realisiert werden als im dörflichen Umfeld. Anfahrten von Mitarbeitern über bereits bestehende Straßen sind unproblematisch möglich. Ggf. mit dem Flugzeug anreisende Gäste und Geschäftspartner könnten über die Bundesstraße und die nahe gelegene Autobahn sehr schnell den Flughafen Dresden erreichen. Und schließlich: auch die bereits hier lebenden Menschen haben ein Recht darauf, mit ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt des Interesses zu stehen: wenn deren Lebens- und Wohnqualität auf Dauer durch zusätzlichen Verkehrs- und Freizeitlärm leidet, wird dies kaum ein Grund sein, junge Familien in die Dörfer und Ortsteile rund um den Berzdorfer See zu „locken“.

 

Die öffentliche Diskussion um die Zukunft des Berzdorfer Sees sollte endlich genutzt werden, alle Instrumente der

Bürgerbeteiligung in einem ergebnisoffenen Prozess anzuwenden, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Zeit dazu gibt es ausreichend: da der Berzdorfer See immer noch unter Bergrecht steht – und dies vermutlich auch noch einige Zeit so bleiben wird, können Bürgerforen in den Gemeinden Schönau-Berzdorf, Makersdorf wie in

der Stadt Görlitz mit den angrenzenden Ortsteilen initiiert werden, deren Ergebnisse dann in die Planung einfließen können. Die Rolle des Planungsverbandes Berzdorfer See sollte in diesem Zusammenhang noch einmal kritisch hinterfragt werden.

 

 

 

Einstimmig beschlossen auf MV am 25. 02. 2014

 

Beschlusstext zum download