ETU-Bodenproben: Das Umweltamt hat einen Geschäftspartner der Abfallfirmen ETU und TKK als Gutachter bestellt
Dienstag, 7. Februar 2012
von Astrid Günther-Schmidt
Nach Einschätzung der Bürgerinitiative "KEIN Giftmüll auf dem Eigen!" hat das Umweltamt damit seine Glaubwürdigkeit endgültig verspielt und auch Bernstadts Bürgermeister Lange schätzt die Auswahl des Gutachters als sehr kritisch ein.
Die Sprecherin der Bürgerinitiative "KEIN Giftmüll auf dem Eigen!", Astrid Günther-Schmidt, und Bernstadts Bürgermeister Gunter Lange waren am 1. Februar 2012 gemeinsam im Umweltamt, um sich die Unterlagen zu den ETU-Bodenproben anzuschauen. Entgegen der öffentlichen Ankündigung gewährte die Behörde lediglich Einsicht in einen Teil der Akten.
Danach stellt sich die Situation wie folgt dar:
- im Dezember 2011 nahm ein durch das Landratsamt Görlitz beauftragtes Ing.-Büro Bodenproben rund um das Betriebsgelände der Altbernsdorfer ETU GmbH und erstellte ein Gutachten
- der Untersuchungsauftrag umfasste die Suche im Boden nach diversen Schwermetallen, PCB, PAK - alles Substanzen, die regelmäßig in den bei der Abfallfirma gelagerten und "behandelten" gefährlichen Abfällen vorhanden sind
- auf beprobten landwirtschaftlichen Nutzflächen, die in der Hauptwindrichtung liegen, stieg die nachgewiesene Cadmium-Belastung in der Zeit von 2009 bis 2011 um rund 16 Prozent an
- Wikipedia vermerkt zum Stichwort "Cadmium" u. a. folgenden Eintrag: "Cadmium ist als "sehr giftig" und seine Verbindungen von "gesundheitsschädlich" ... über "giftig" ... bis "sehr giftig" ... eingestuft; außerdem besteht begründeter Verdacht auf krebsauslösende Wirkung beim Menschen. Eingeatmeter cadmiumhaltiger Staub führt zu Schäden an Lunge, Leber und Niere."
Besonders empört sind BI-Sprecherin Günther-Schmidt und Bürgermeister Lange darüber, dass das vom Umweltamt beauftragte Ing.-Büro bereits im Jahr 2009 im Auftrag der ETU GmbH einen ähnlichen Auftrag erhalten hat und 2011 an der Erstellung des TKK-Antrages auf Errichtung und Betrieb der neuen TKK-"Deponie im Forst" beteiligt war.
Die TKK-Deponie, Kodersdorf gehört zum gleichen Firmenverbund wie die ETU GmbH; beide Unternehmen beschäftigen die gleiche Geschäftsführerin und es gibt, wie Kleine Anfragen belegen, Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Firmen.
"Damit kann das genannte Ing.-Büro von uns nicht als "glaubwürdig" unabhängiger Gutachter akzeptiert werden! Vielmehr sind wir besorgt, dass sich ein wirtschaftliches Interesse dieses Gutachter-Unternehmens am Fortbestand von ETU und TKK nicht ausschließen lässt.", so der Bürgermeister und die BI-Sprecherin.
"Mit diesem Vorgehen hat die Landkreisverwaltung endgültig ihre Glaubwürdigkeit verspielt und kann von uns nicht mehr als unabhängiger und glaubwürdiger Sachwalter bei der Aufklärung der Missstände rund um die sog. Immobilisierung gefährlicher Abfälle und anderer Probleme bei der Altbernsdorfer Abfallfirma ETU GmbH akzeptiert werden.", sind sich Astrid Günther-Schmidt und Gunter Lange einig. "Deshalb fordern wir das Landratsamt auf, unverzüglich einen tatsächlich neutralen Gutachter mit der Erstellung eines Boden-Gutachtens zu beautragen und den Untersuchungsauftrag insofern zu erweitern, als auch die Straßenränder rund um die ETU GmbH, der Weißbach und Privatgrundstücke in der Nachbarschaft der Abfallfirma in die Analyse einbezogen werden."
Der Eigentümer der landwirtschaftlichen Nutzflächen, auf denen 2009 und 2011 ein "bemerkenswerter" Cadmium-Wert, der auch noch angestiegen ist, nachgewiesen wurde, gehört von Anfang an der Bürgerinitiative "KEIN Giftmüll auf dem Eigen!" an.
Für ihn steht fest: "Die Altbernsdorfer Abfallfirma ist der einzige uns bekannte Ort, der als Cadmium-Emittent in dieser Gegend in Frage kommt; darum erwäge ich nun, rechtliche Schritte sowohl gegen das Umweltamt als auch gegen das Abfallunternehmen einzuleiten - auch, um später ggf. Schadenersatzansprüche geltend machen zu können."






