Bündnisgrüner Landtagsabgeordneter Wolfram Günther hinterfragt Abriss in Zittau mit Landesmitteln

In der Stadt Zittau will die Wohnbaugesellschaft Zittau mbH, eine 100%ige Tochter der Stadt, fünfWohnhäuser mit Fördermitteln aus dem Landesprogramm „Rückbau Wohngebäude (L-RW)“ abreißen. Mit dem Rückbau des Hauses Schrammstr. 17 wurden bereits Fakten geschaffen. Der denkmalschutzpolitische Sprecher der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Wolfram Günther, sieht zwei gravierende Probleme:

In der Stadt Zittau will die Wohnbaugesellschaft Zittau mbH, eine 100%ige Tochter der Stadt, fünf Wohnhäuser mit Fördermitteln aus dem Landesprogramm „Rückbau Wohngebäude (L-RW)“ abreißen. Mit dem Rückbau des Hauses Schrammstr. 17 wurden bereits Fakten geschaffen.

Der denkmalschutzpolitische Sprecher der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Wolfram Günther, sieht zwei gravierende Probleme: „Die Förderbedingungen dieses Landesprogramms sagen eindeutig, dass der Rückbau von unbewohnbaren, ruinösen Wohngebäuden nicht förderfähig ist. Bei den fünf geförderten Objekten handelt es sich aber um seit ca. 20 Jahren leerstehende und nun mittlerweile ruinöse Wohnhäuser, die auch kurzfristig aufgrund zugemauerter Fenster und fehlender Innenausstattung nicht bewohnbar gemacht werden könnten. Ich habe daher jetzt eine Kleine Anfrage an die Staatsregierung gestellt.“

Zum anderen werden in Zittau aber auch städtebauliche Grundsätze missachtet: So sollte der Abriss von Eckhäusern, insbesondere an Kreuzungen, wo noch alle vier Eckgebäude vorhanden sind, eigentlich tabu sein – drei der fünf Abrisskandidaten sind jedoch Eckhäuser.

„Wenn der Freistaat die Existenz eines Stadtentwicklungskonzeptes als Fördervoraussetzung verlangt, erwarte ich natürlich von der Bewilligungsbehörde, hier der SAB, dass sie den beantragten Rückbau mit diesem Konzept abgleicht!“ ärgert sich Günther. Nach dem Zittauer Stadtentwicklungskonzept soll z.B. kein Abriss an Haupteinfallstraßen erfolgen: Das bereits abgerissene Gebäude Schrammstr. 17 stand an der Ecke Humboldtstr. – die wichtigste Einfallstraße aus dem Zittauer Gebirge.

Der bündnisgrüne Stadtrat Matthias Böhm hatte sich kürzlich gefreut, dass die Stadtverwaltung in das neue EFRE-Fördergebiet extra den Bahnhof Zittau mit der Achse Bahnhofstraße in die Innenstadt für eine mögliche städtebauliche Entwicklung aufgenommen hat: Zwar liegen die von der Wohnbaugesellschaft beantragten Abrisshäuser Bahnhofstraße 34/36 knapp außerhalb des EFRE-Gebietes, aber im direkten Blickfeld einfahrender Züge bzw. der zur Abfahrt bereitgestellten Schmalspurbahn mit Ausflüglern ins Zittauer Gebirge. Böhm wünscht sich eine Belebung des Bahnhofsumfeldes statt neue Brachflächen:

„Der Rückbau von Hütters Hotel direkt gegenüber des Bahnhofsvorplatzes dürfte doch als Negativ-Beispiel ausreichen: Wenn man als Gast der Stadt Zittau aus dem Bahnhofsgebäude tritt, blickt man nun auf haushohe Birken."

Zusammen mit Böhm hatte Günther zuvor versucht, über eine Auffanggesellschaft oder „Bad-Bank“ die ruinösen Häuser aus der Bilanz der städtischen Wohnbaugesellschaft herauszulösen. Das Zittauer Stadtentwicklungskonzept postuliert aufgrund des demografischen Wandels einen Rückbau von außen nach innen. Zurückgebaut werden sollen überwiegend die Plattenbau-Siedlungen Zittau-Ost, teils auch -Süd und -Nord. Nun werden aber Häuser in ansonsten städtebaulich intakten Gründerzeitvierteln herausgerissen, sodass ein "Flickenteppich" entsteht.