Bündnisgrüner Stadtrat setzt beim Nutzungskonflikt im Zittauer Stadtwald auf Fortsetzung der Gespräche

Künftig Zusammenarbeit im Zittauer Gebirge bei Forst und Kultur auf Augenhöhe?

 

 

 

Auf dem Themenstammtisch des Stadt- und Regionalverbands Zittau von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am 19.06.2018 im "Olbersdorfer Hof" (die SZ berichtete) schlugen die Wellen hoch: Im Zittauer Gebirge Erholung Suchende und Sport Treibende warfen der Stadt Zittau und ihrem Eigenbetrieb Forst vor, bei der Holzernte Wanderwege dauerhaft zu zerstören. Aber auch konkrete Vorschläge zur Problemlösung wurden vorgebracht: Vom Einsatz von Rückepferden (die die Waldwege beim Herausziehen der geschlagenen Bäume nicht so extrem zerfurchen würden) über eine regionale Funktionsgliederung des Stadtwaldes (z.B. Königs- und Wittgendorfer Holz mit verstärkter Holznutzung, Zittauer Gebirge mit Erholungsfunktion) bis hin zur Gründung eines Zweckverbandes durch Zittau und die Gebirgsgemeinden, um die Themen Forst, Kultur und Erholung gemeinsam zu bearbeiten, reichten die Ideen. Dem frisch in die Amtsgeschäfte eingeführten neuen Oybiner Bürgermeister, Tobias Steiner (SPD), wäre wichtig, den Prozess des Aufeinanderzugehens fortzusetzen. Konkret schlug er ein flexibles Markierungssystem für die aktuelle Nutzbarkeit von Waldwegen vor, wie das ansatzweise in der „Waldpost“ (Magazin des Eigenbetriebs Forst) schon praktiziert wird.

 

Bei der Vorstellung der Forsteinrichtung durch die Leiterin des Zittauer Eigenbetriebs Forst, Angela Bültemeier, wurde deutlich, dass in den nächsten 10 Jahren durchaus auch Maßnahmen zur Entschärfung des Konfliktes umgesetzt werden: Beim Waldumbau soll weitgehend auf den sog. Kahlhieb verzichtet werden und Sichtachsen von markanten Aussichtspunkten werden wieder freigeschnitten. Bültemeier stellte aber auch klar, dass z.B. Rückepferde 20 zusätzliche Personalstellen im Forstbetrieb erfordern würden. Auf ca. 50 % der Waldflächen komme ein kleiner Knickschlepper zum Einsatz, der den Waldboden nicht so extrem beeinträchtigt wie der „Harvester“.

 

Der umweltpolitische Sprecher und Fraktionsvorsitzende der bündnisgrünen Landtagsfraktion, Wolfram Günther, verwies auf die Stadt Lübeck: Deren Stadtwald ist mit 4.600 ha nur unwesentlich größer als der Zittauer. Die Hansestadt setzt jedoch nur noch auf die Schutz- und Erholungsfunktion ihres Waldes. Günther schlug vor, die Verwaltung des Naturparks Zittauer Gebirge mit der Moderation des Nutzungskonflikts zu beauftragen.

 

Der Zittauer Stadtrat Matthias Böhm (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) sieht nach Beratung mit seinen beiden FraktionskollegInnen von der SPD keinen Sinn in einer pauschalen Ablehnung der Forsteinrichtung, die beim Waldumbau zur Anpassung an den Klimawandel grundsätzlich in die richtige Richtung zielt. Als ehrenamtlicher Kommunalpolitiker und forstwirtschaftlicher Laie sieht er sich auch nicht in der Lage, über Änderungsanträge einen Richtungswechsel in der Waldbewirtschaftung zu erzielen. Seine Fraktion wird daher im Stadtrat am 28.06.2018 zustimmen, jedoch ein Fortsetzen der Gespräche mit den Gebirgsgemeinden und touristischen Institutionen einfordern. „Auch wenn die Forsteinrichtung eine Laufzeit von 10 Jahren hat, kann sie bei neuen Erkenntnissen oder politisch gewünschter anderer Schwerpunktsetzung jederzeit angepasst werden“, erklärt Böhm. Mittelfristig will Böhm auch den Vorschlag zur Gründung eines Zweckverbandes „Forst/Kultur/Erholung“ in einen Stadtratsantrag gießen: „Die angedachte Kulturhauptstadtbewerbung können wir als Stadt Zittau nicht alleine stemmen. Wenn wir hierbei Unterstützung vom Umland wollen, müssen wir uns auch bei anderen Fragen, wie der Waldnutzung, auf unsere Nachbarn zubewegen: Ein Zweckverband könnte alle diese Themen auf Augenhöhe bearbeiten!“