Bündnisgrünes Bahnkonzept Zittau – Dresden hat Pendler im Blick

Reaktivierung der Bahnstrecke Seifhennersdorf – Eibau darf Orte nicht gegeneinander ausspielen

Thomas Pilz

Thomas Pilz, Vorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Kreistag Görlitz, fühlt sich von den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Einzugsbereich der Bahnstrecke Zittau – Dresden missverstanden: „Mit unserem Antrag im Kreistag haben wir gerade Pendlerinnen und Pendler im Blick!“ Laut Bericht der SZ vom 16.08.16 sind sich alle Bürgermeister entlang der Strecke einig, dass das bündnisgrüne Konzept mit seinem Stundentakt ausschließlich durch langsame Regionalbahnen für Pendler wenig begrüßenswert sei. Für alle Pendler? Denn die Expresszüge halten nach ihrem Start in Zittau auf Görlitzer Kreisgebiet nur noch in Oberoderwitz, Neugersdorf und Ebersbach. „Muss ein Arbeiter aus Eibau um 8:00 Uhr an seiner Arbeitsstelle in Dresden sein, der Zug kommt aber erst 8:19 Uhr dort an, wird er kaum die Verbindung zwei Stunden früher wählen, sondern sich ins Auto setzen. Für Gemeinden, in denen nur alle 2 Stunden die langsamen Züge halten, taugt das derzeitige Betriebskonzept für den Pendlerverkehr also nur bedingt“, rechnet Pilz vor.

Bei dem Antrag geht es auch nicht um eine Umschichtung der Regionalisierungsmittel, wie am 16.08.16 in der SZ berichtet: Das vom Verkehrsplaner Matthias Böhm erstellte Betriebskonzept bietet bei konstant bleibender Anzahl der sog. Zug-km, aber zusätzlichen Halten an den kleineren Stationen die Möglichkeit, neue Fahrgäste zu gewinnen. Diese bringen natürlich auch mehr Fahrgeldeinnahmen ins System. Dass dieses Prinzip mit einem sauberen Stundentakt besser funktioniert, zeigt die Neißetalbahn: Obwohl hier stündlich „an jeder Milchkanne“ gehalten wird, weist die Strecke Zittau – Görlitz – Cottbus mehr Fahrgäste auf, als die Summe der Fahrgäste von Expresszügen und langsamen Regionalbahnen auf der Relation Zittau – Dresden.

Böhm, der als ehemaliger Geschäftsführer der Sächsisch-Böhmischen Eisenbahngesellschaft noch durchgehende Züge von Zittau über Seifhennersdorf nach Eibau anbot, unterstützt die Seifhennersdorfer Bürgermeisterin in ihrem Kampf um eine Reaktivierung: „Dass seit Frühjahr 2015  kein Zug mehr nach Seifhennersdorf fährt, liegt nicht an Bauarbeiten: Der private Infrastrukturbetreiber, die Deutsche Regionaleisenbahn, kann die Betriebssicherheit seiner Strecke nicht nachweisen.“ Böhm hatte Anfang 2015 die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Einzugsbereich der sog. Mandaubahn auf drohende Gefahren bei der Infrastruktur hingewiesen: Der Bahnhof Eibau – hier fädelt sich die Strecke von Seifhennersdorf wieder in die Trasse von Zittau nach Dresden ein – wurde vor wenigen Wochen von der DB Netz zu einem Haltepunkt degradiert. Hier können künftig keine Züge mehr enden oder kreuzen. „Bevor über Betriebskonzepte diskutiert wird, sollte schnellstens die weitere Vernichtung von Infrastruktur gestoppt werden“, mahnt Böhm.

Die Bündnisgrünen sehen eher Chancen für einen mehr touristisch ausgerichteten Zugverkehr in Gestalt einer Durchbindung der Nationalparkbahn von Rumburk via Ebersbach, Eibau, Seifhennersdorf und weiter bis Liberec. Eine durchgehende Verbindung vom Schluckenauer Zipfel nach Liberec wünscht sich auch die tschechische Seite. Damit würde die Verbindung nach Dresden über Seifhennersdorf -Eibau möglich, mit Umstieg in Neugersdorf/Ebersbach. Von einer Verschwenkung der Regionalbahn auf diese Strecke halten Pilz und Böhm nichts. Nicht nur, dass sich für Oderwitz das Zugangebot dadurch halbiert, auch die Stadt Zittau ist negativ tangiert: Verpasst man in Zittau den Expresszug, könnte man eigentlich auch gleich 2 Stunden auf den nächsten Express warten, denn der dazwischen fahrende langsame Zug bräuchte durch den Umweg über Seifhennersdorf deutlich über 2 Stunden nach Dresden.