Danke. Und nachgedacht.

Liebe Oberlausitzer*innen! Mit dem Landtagsmandat hat es diesmal nicht geklappt, knappe 0,7% haben gefehlt. Macht nichts – dann vielleicht beim nächsten Mal. Eine große Sympathiewelle mit vielen Fragen erreichte mich am Montag nach der Wahl auf unterschiedlichen Kanälen, so daß ich das zum Anlass nehmen möchte, mich an dieser Stelle zu äußern.

 

Franziska Schubert, Kreisrätin im Kreistag Görlitz

Liebe Oberlausitzer*innen!

Mit dem Landtagsmandat hat es diesmal nicht geklappt, knappe 0,7% haben gefehlt. Macht nichts – dann vielleicht beim nächsten Mal. Eine große Sympathiewelle mit vielen Fragen erreichte mich am Montag nach der Wahl auf unterschiedlichen Kanälen, so daß ich das zum Anlass nehmen möchte, mich an dieser Stelle zu äußern.

Hiermit möchte ich Euch/ Ihnen zunächst meinen Dank von Herzen aussprechen für die Unterstützung, die Ermutigung und die Stimmen, die für mich abgegeben wurden. Ich bin stolz auf das erreichte Ergebnis – insbesondere 14% der Erstimmen in meiner Heimatstadt Ebersbach-Neugersdorf machen mich sehr glücklich; es ist unglaublich! Es bestärkt mich umso mehr, mit diesem Vertrauensmandat vor Ort weiterhin zu wirken und mich einzusetzen für eine lebenswerte Zukunft in unserer Region. Unabhängig von Parteifarbe setze ich mich weiterhin ein für die Zukunft in meiner Heimatregion; darauf gebe ich Allen mein Wort, die Vertrauen in mich setzen.

Am Anfang war ich bissl traurig, zugegebenermaßen. Ist normal, denn daran habe ich gemerkt, wie ernst es mir gewesen ist, für unsere Oberlausitz im Landtag vertreten zu sein. Viel Energie und Kraft sind in den Wahlk(r)ampf geflossen. Nach der Wahl überrollte mich am Montag die gewaltige Welle an Sympathie von so vielen Menschen und nahm mich wieder mit in die Freude. Montag um 13:03 saß ich wieder fest im Sattel des optimistischen Realismus. Ich freue mich, daß soviele Menschen an mich glauben und gehe umso bestärkter den Weg für unsere Region. Also alles gut bei Franziska.

Aber ich habe mir Gedanken gemacht über das, was ich erlebt habe in den letzten Monaten: Ist der Landtag manchmal vielleicht ein bißchen wie ein Aquarium? Man kann von außen hineinsehen - aber fehlt oftmals nicht von drinnen der Blick nach Draußen? Warum werden Wahlprogramme aufgestellt, ohne, dass man vorher die Menschen fragt: was erwartet Ihr von uns? Warum nehmen Parteien meist nur an, was die Menschen tatsächlich umtreibt? Wäre es dann nicht spannender für Alle? Würden wir dann statt Stammtischparolen und in weiten Teilen programmatischer Gleichförmigkeit mehr Sinn sehen im politischen Geschehen? Ich denke manchmal, Politik bezeichnet eigentlich all jene Fragestellungen und Aktivitäten, die das Gemeinwesen betreffen – uns und unser Umfeld. Ist dann nicht die Ebene, wo wir tatsächlich verändern können, wie wir es uns vorstellen, unser unmittelbares Umfeld? Gemeinsam mit den Menschen um uns herum? Das, was im Landtag beschlossen wird, kommt als Folge zu uns – wir müssen damit umgehen. Irgendwie passiv. Kann´s das schon sein mit Demokratie? Politik erreicht die Menschen in der Oberlausitz kaum mehr. Was die Menschen erreicht, sind Menschen. Die machen, die ihre Heimat lieben, die weder ideologisch noch machtfixiert sind. Menschen, die eintreten für das, was mensch wichtig ist im Innersten: das sind, und da bin ich der festen Überzeugung, nach wie vor (soziale) Gerechtigkeit, Sicherheit, Frieden, Wahrheit, Familie und Freude. Sowas habe ich selten ehrlich vorgetragen gehört im Wahlkampf. Auch richtig Konkretes für unsere Oberlausitz war nicht dabei. Warum verpflichtet sich Politik nicht wirklich dem Menschen?

Meine Überzeugung: Wir müssen einander wieder mehr kennenlernen. Wir müssen wieder gemeinsam anpacken statt gegeneinander (entlang welcher Linien auch immer, sei es Parteifarbe, Geschlecht, Alter) zu arbeiten. Netzwerken mag ein moderner Begriff sein, aber Miteinander ist seine Grundlage und sollte nicht neu erfunden werden müssen. Wir müssen uns selbst organisieren und eigene Lösungen finden – das hat doch alles mal besser funktioniert! Das ist anstrengend, aber verteilt auf viele Schultern bringt es uns gemeinsam voran. Wir müssen auch einander besser, offener zuhören – wie stellen sich Jung und Alt die Zukunft hier vor? Und wer kann sie tatsächlich gestalten? Können alte Männer tatsächlich zukunftsorientiert für junge Familien, Frauen, Jugendliche einstehen? Haben junge Menschen tatsächlich für Pflegebedarfe, Barrierefreiheit, Unternehmensnachfolge schon den notwendigen Blick? Es wird nur miteinander gehen. Leider steht der Machterhalt noch zu oft im Hauptinteresse. Noch gibt es zu viele Lippenbekenntnisse, man wolle doch jüngere Menschen zum Zuge kommen lassen. Nein, nicht „einbinden“, denn das heißt nur, sie in den liebgewordenen eigenen Strukturen ohne Änderungswillen zu sehen anstatt ihnen tatsächliche Gestaltungsmacht zu geben. Welche Rolle spielen Vorbilder für unsere Gesellschaft? Der Mensch lernt von ihnen – sollten dann nicht Verantwortungsträger vorbildlich sein? So vorbildlich, daß sie wissen, wenn Generationswechsel durch sie verantwortungsvoll begleitet werden müssen? In Würde gehen und mit Erfahrung ankommen dürfen – das könnte eine Formel sein, die als überparteiliche Vision unsere Region voranbringen könnte. Gerhard Schöne sang mal „Der Märchenprinz aber bist du.“ Ich wünsche uns, daß wir wieder Alle mehr den Mut fassen, „äberlausitzsch daquere“ zu denken und unsere Herzen einander zu öffnen. Einträchtiger zu sein in dem, wie wir von außen wahrgenommen werden. Uns unserer alltäglichen Verantwortung im Denken und Handeln bewußt zu sein. Das kostet kein Geld, keinen Stolz, vielleicht Überwindung, Übung. Es geht jedoch um nichts weniger als unser Aller Zukunft hier – und die der nachfolgenden Generationen. Ich stehe dafür ein, ich höre zu, ich denke mit. Und mit mir viele weitere, das weiß ich. Wer kommt noch mit? Und itze hierch hier uff. Eure/ Ihre Franziska Schubert