Görlitz und Zgorzelec bekommen eine neue, städte- und völkerverbindende Brücke

Der westliche und der östliche Teil (heute Zgorzelec) von Görlitz waren bis Kriegsende über fünf Brücken verbunden, die von der deutschen Wehrmacht in den letzten Kriegstagen gesprengt wurden. Heute gibt es drei Brücken: den Eisenbahnviadukt, die Stadtbrücke („Johannes-Paul-Brücke“) und die 2004 wieder errichtete Altstadtbrücke (demnächst u.U. „Via-Regia-Brücke“).

Der westliche und der östliche Teil (heute Zgorzelec) von Görlitz waren bis Kriegsende über fünf Brücken verbunden, die von der deutschen Wehrmacht in den letzten Kriegstagen gesprengt wurden. Heute gibt es drei Brücken: den Eisenbahnviadukt, die Stadtbrücke („Johannes-Paul-Brücke“) und die 2004 wieder errichtete Altstadtbrücke (demnächst u.U. „Via-Regia-Brücke“).

In vielen Stadtentwicklungskonzeptionen spielt eine Vtalisierung der Ufer-Bereiche an der Neisse eine zentrale Rolle bis hin zu Überlegungen einer gemeinsamen Stadtmitte der Europastadt Görlitz/Zgorzelec. 2013 haben die Stadträte von Görlitz und Zgorzelec in gemeinsamer Sitzung das Gemeinschaftsprojekt eines grenzüberschreitenden Uferparks beschlossen – eine europäische Förderung (Ziel 3) ist beabsichtigt.

Jetzt gibt es die Chance, mittels 90-Prozent-Förderung aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ die Brücke am Lindenweg (Nähe zur Freifläche neben dem Kondensatorenwerk) wieder zu errichten. Nutzbar könnte die Brücke 2019 sein. Natürlich entspricht dieses Projekt den Zielen bündnisgrüner Stadtpolitik für Görlitz. Und so freuen wir uns sehr über die erfolgreiche Bewerbung der Stadt um diese Förderung!

Und wie ging es im Stadtrat am Donnerstag Abend (27.11.2014) aus?

24 Ja-Stimmen (Bürger für Görlitz/Grüne/Piraten, CDU, Die Linke)
2 Nein (NPD)
6 Enthaltungen (Zur Sache e.V = Verein um den Ex-OB Paulick, SPD/FDP)

Das Ergebnis spricht für sich.......

Hier nun der Redebeitrag unseres Stadtrates Prof.Dr.Joachim Schulze im Görlitzer Stadtrat vom 27.11.2014 :
Brücke am Lindenweg. Vorlage 0059/14-19

„Unsere Fraktion Bürger für Görlitz/Grüne/Piraten stimmt der Beschlussvorlage der Verwaltung zur Wiedererrichtung einer Neißebrücke am Lindenweg zu. Die Stadträte in Görlitz und Zgorzelec sind sich einig in dem Ziel, die Neiße und die Uferbereiche als ein verbindendes Element der Europastadt zu gestalten und weiter zu entwickeln. Dies hebt die Lebensqualität der Menschen hier, es ist förderlich für die wirtschaftliche Entwicklung, es steigert die touristische Attraktivität und es ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Normalität.

Erinnern wir uns: der Vorgängerbau wurde errichtet, um eine schnelle und angenehme fußläufige Verbindung zwischen den aufstrebenden Wohngebieten der Gartenstadt am Ostufer in die Kernstadt zu schaffen. Dieses Ziel ist nicht überholt.

In dem Buch von Markus Lammert über Görlitz als Stadt der Vertriebenen 1945-1953 ist ein Foto abgebildet von 1946 – wohl auf der Höhe des heutigen Hotels Mercure. Man sieht ein großes Schild mit der Aufschrift „Spaziergänge am Neißeufer wird bestraft“. Das Grenzregime der DDR tat in den Jahren danach ein Übriges. Der Fluss wurde als gefährliches Gebiet betrachtet. Viele Wunden des Krieges werden nie verheilen, diese Annormalität lässt sich aber beheben.

Manche Menschen in Görlitz haben „Sicherheitsbedenken“ oder stellen generell die Sinnhaftigkeit einer Brücke oder gerade an dieser Stelle in Frage. Das sollte man offen und sachlich diskutieren.

Zum ersten: Kriminalität (wenn sie grenzüberschreitend ist) hat auch ohne diese Brücke bislang Wege gefunden und wird immer irgendwelche Wege finden. Damit die neue Brücke kein „Angstort“ wird, sind entsprechende gestalterische Maßnahmen zu treffen. Das gilt ja auch für die anderen aufgeworfenen Fragen. Eines sei hier aber klar gesagt: die anständigen Bürger und Bürgerinnen von Görlitz und Zgorzelec werden sich von Kleinkriminellen nicht aufherrschen lassen, wie sie ihre gemeinsame Mitte am Fluss, wie sie die weitere Entwicklung des Zusammenlebens gestalten und verbessern wollen. In diesem Sinne bitten wir um Zustimmung.“