Landwirtschaftsminister Schmidt zeigt der Presse leider nur Vorzeigebetriebe, Günther: Stichprobenartige Überprüfung einer Arbeitsgruppe aus dem Verbraucherschutzministerium deckte zahlreiche Missstände auf

Dresden. "Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt zeigt der Presse Vorzeigebetriebe - gerade in der Rinderhaltung", kommentiert Wolfram Günther, landwirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, die gestrige Pressereise des Ministers.

 

"Doch auch in Sachsen herrschen Tierhaltungsbedingungen, die dringend verändert werden müssen", fordert der Abgeordnete. "Das geht auch aus der Antwort von Verbraucherschutzministerin Barbara Klepsch (CDU) auf meine Kleine Anfrage 'Fachübergreifendes Kontrollkonzept für Schweine in sächsischen Großbetrieben' (Drs 6/2159) hervor.

"Warum zeigt der Staatsminister der Presse keine Schweine- und Geflügelanlagen, in denen kritische Bedingungen herrschen. Das würde zur ganzen Wahrheit zwingend dazugehören."

 

Dresden. "Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt zeigt der Presse Vorzeigebetriebe  - gerade in der Rinderhaltung", kommentiert Wolfram Günther, landwirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, die gestrige Pressereise des Ministers.

"Doch auch in Sachsen herrschen Tierhaltungsbedingungen, die dringend verändert werden müssen", fordert der Abgeordnete. "Das geht auch aus der Antwort von Verbraucherschutzministerin Barbara Klepsch (CDU) auf meine Kleine Anfrage 'Fachübergreifendes Kontrollkonzept für Schweine in sächsischen Großbetrieben' (Drs 6/2159) hervor.

"Warum zeigt der Staatsminister der Presse keine Schweine- und Geflügelanlagen, in denen kritische Bedingungen herrschen. Das würde zur ganzen Wahrheit zwingend dazugehören."

"Laut Antwort der für Tierschutz zuständige Ministerin Klepsch deckte allein eine stichprobenartige Überprüfung nach dem neuen verbesserten Kontrollsystem an drei Tagen im März und April in den Landkreisen Zwickau, Nordsachsen und Vogtlandkreis zahlreiche Missstände auf."

So heißt es in der Antwort von Ministerin Klepsch auf Frage vier wörtlich:

>>Bei allen Kontrollen wurden Verstöße festgestellt. Es wurden Anordnungsbescheide erlassen, Ordnungswidrigkeitsverfahren durchgeführt und Bußgeldbescheide erlassen,

außerdem wurde eine Strafanzeige aufgrund einer nicht ausreichenden Betäubung bei einer Ferkeltötung gestellt.<<

>>Angeordnet wurden Umbaumaßnahmen aufgrund zu enger Kastenstände in Besamungsställen und zerschlissener Spaltenböden und um Vorgaben zur Gruppenhaltung zu erfüllen. In einer Anlage wurde die Weiternutzung eines Großteils derzeit leer stehender Stallanlagen untersagt. Außerdem wurden Anordnungen getroffen, damit kranke und verletzte Tiere ordnungsgemäß versorgt werden.<<

>>Bei allen Betrieben wurden mehrere Nachkontrollen durch die Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter durchgeführt. Der Großteil der Mängel wurde bereits abgestellt.

Die erforderlichen Baumaßnahmen werden derzeit durchgeführt. Weitere Nachkontrollen sind geplant.<<

>>Ergebnis der Auswertung dieser Kontrollen ist, dass bei Betrieben mit einer hohen Risikobewertung eine erweiterte Teamkontrolle erforderlich ist, um die Verstöße gerichtsfest

dokumentieren zu können.<<

"Wir GRÜNEN fordern seit Jahren bessere Haltungsbedingungen, ein Verbot von Verstümmelungen und schärfere Kontrollen der schon bestehenden Auflagen."

>> Antwort von Verbraucherschutzministerin Barbara Klepsch (CDU) auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Wolfram Günther (GRÜNE) 'Fachübergreifendes Kontrollkonzept für Schweine in sächsischen Großbetrieben' (Drs 6/2159)

Hintergrund:

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Für Mastschweine mit einem Körpergewicht von über 50 bis 110 kg ist eine Mindestbodenfläche von lediglich 0,75 Quadratmeter pro Schwein vorgesehen, für Schweine mit einem Gewicht von über 110 kg eine Fläche von einem Quadratmeter. Enge führt aber zu Bewegungsmangel und einem geschwächtem Immunsystem. Daher wird routinemäßig Antibiotika verabreicht, um das Infektionsrisiko zu senken. Diese gelangen über Nahrungsmittel und Grundwasser auch zum Menschen. Weitere Folge auch des häufigen Fehlens von veränderbaren und wechselnden Beschäftigungsmaterialien sind Verhaltensstörungen wie Schwanz- und Ohrenbeißen, die sich bis hin zum Kannibalismus entwickeln können. Als prophylaktische Gegenmaßnahme werden den Schweinen im Ferkelalter ohne Betäubung die Schwänze gekürzt.

Muttersauen werden in Kastenständen gehalten, die nur knapp größer sind, als sie selbst. Sauen haben im Wurf oft mehr Ferkel, als sie selber säugen kann. Überzählige werden getötet, der Vorwurf steht im Raum, dass sie zum Teil ohne Betäubung einfach im Stall erschlagen werden.

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Andreas Jahnel, Pressesprecher

Tel. 0351-493 48 11, mobil 0174-238 76 39, gruene-presse(at)slt.sachsen.dehttps://twitter.com/SaxGruen