Neue Energie in Bürgerhand

Die Zukunft ist erneuerbar. Doch wie kann die Energiewende in Kommunen gelingen? Welche Potentiale gibt es in Zittau und Umgebung? Wie können ökologische und soziale Ziele gemeinsam erreicht werden? Um diese Fragen zu diskutieren, lud der Kreisverband Görlitz von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am Donnerstag Abend in das Zittauer Kronenkino.

Stephan Kühn, MdB in der Diskussion mit Manfred Kürschner, Stadwerke Zittau (Bild oben);<br> Matthias Böhm, Stadtrat in Zittau (Bild unten)

von Sarah Rudo

Die Zukunft ist erneuerbar. Doch wie kann die Energiewende in Kommunen gelingen? Welche Potentiale gibt es in Zittau und Umgebung? Wie können ökologische und soziale Ziele gemeinsam erreicht werden? Um diese Fragen zu diskutieren, lud der Kreisverband Görlitz von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am Donnerstag Abend in das Zittauer Kronenkino.

Als Impuls sahen die knapp 40 interessierten BürgerInnen den Film „Neue Energie in Bürgerhand“. In dem Film berichten drei Kommunen von ihren Erfolgen durch dem Umstieg auf regenerative Energien. Die Kraft des Beispiels soll auch anderen Kommunen auf diesem Weg helfen, erläuterte Stephan Kühn, Bundestagsabgeordneter und Initiator des Films.

In der anschließenden Podiumsdiskussion gab Manfred Kürschner, Geschäftsführer der Stadtwerke Zittau, zu bedenken, dass auch diese Energieform ihren Preis hat – gibt es Ökostrom also nur für Besserverdiener?, stellte er provokant zur Frage. Stephan Kühn betonte daraufhin die Bedeutung der Kostenwahrheit in Strompreisen: gerade bei Kohle und Atom werden Risiken und Kosten vergesellschaftet. So kostete allein die bisherige Sanierung der Braunkohlelandschaft in der Lausitz den Steuerzahler etwa 9 Milliarden Euro. Auch können erneuerbare Energien den Strompreis drücken, indem sie eine Wettbewerbssituation neben den vier großen Energiekonzernen schaffen.

Als Pionier der Solarenergienutzung stellte Jens Blochberger (Solarenergiezentrum Oberseifersdorf) erfreut fest, dass sich immer mehr Menschen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien betätigen. Seiner Ansicht nach wurde hier ein gewaltiges Potential entfesselt, das nicht mehr aufzuhalten ist.

Mit der Hochschule Zittau/Görlitz ist eine Einrichtung vor Ort, die laut Prof. Dr. Zschunke an 80 % der im Film gezeigten Methoden zur regenerativen Energieerzeugung forscht, so dass eine weitere Entwicklung zu erhoffen ist. Prof. Dr. Zschunke stellte jedoch auch heraus, dass häufig unrealistische Rechnungen vorgenommen werden - eine Bilanzierung mache in seinen Augen nur ohne Einbeziehung der Förderung Sinn.

Einigkeit herrschte über die zentrale Bedeutung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), welches inzwischen in annähernd 50 Ländern Nachahmer gefunden hat, sowie in der Notwendigkeit verlässlicher Rahmenbedingungen für Investoren. Stephan Kühn kritisierte hier das Verhalten der Bundesregierung.

Vor Ort gibt es für Interessierte die Möglichkeit, sich an Anlagen der Bürger-Energie-Genossenschaft zu beteiligen, auch die Stadtwerke wollen weitere Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung schaffen. Neben der Stromerzeugung wurde an vielen Stellen auch immer wieder auf das Potential der Energieeinsparung verwiesen.

Ob es dem Landkreis gelingen wird, zu einer bundesweiten Modellregion für regenerative Energien zu werden? Thomas Pilz jedenfalls, der die Veranstaltung moderierte, stellte diese Vision zum Abschluss in den Raum.


Bereits vor der Veranstaltung war der Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn im Landkreis dem Thema Energie auf der Spur.

Herrnhut ist beispielsweise seit den 80er Jahren auf dem "Holzweg" – hier werden die Einrichtungen der Diakonie mit Holz beheizt, wobei sowohl Stückholz, Holzhackschnitzel und Holzpellets zum Einsatz kommen. Herr Wiedemann (Technischer Leiter der Diakonie Herrnhut) führte die Heizsysteme vor und erläuterte den gesamten Prozess von der Holzgewinnung in den städtischen Wäldern bis hin zur Verwendung des einzigen 'Abfallproduktes' Asche in der Kompostanlage. Ein Beispiel, das bis nach China ausstrahlt.

Auch das Thema Energieeffizienz durfte natürlich nicht zu kurz kommen. In der Olbersdorfer Schule konnte der Bundestagsabgeordnete die unterschiedlichsten Maßnahmen einer energetischen Sanierung betrachten. Beleuchtung über Lichtschächte, verdunkelbare Fensterscheiben, Kühlungssysteme in der Decke zeigen, was technisch möglich ist. Herr Zymek (Hochschule Zittau/Görlitz) lenkte bei seinen Erläuterungen den Blick immer wieder auch auf die Wechselwirkungen zwischen Raum und Menschen, die in der Schule lernen und lehren.  

Zwischen den Terminen zum Thema Energien stand weiterhin ein Besuch bei dem internationalen Kinder- und Jugendparlament Neiße auf dem Programm. Nachdem Stephan Kühn über dessen Arbeit informiert wurde, konnten die Kinder und Jugendlichen aus Tschechien und Deutschland Fragen an den Abgeordneten loswerden: Halten Sie die Rente mit 67 für realistisch? Ist es richtig, neue Länder in die EU aufzunehmen? Warum schaffen wir Geld nach Griechenland, wo wir doch selbst verschuldet sind? Und wie viele Schulden hat Deutschland eigentlich? Waren nur einige der Fragen.

Auch der Bundestagsabgeordnete hatte Fragen im Gepäck. Da ihm durch sein langjähriges Engagement bei Unicef die Mitbestimmungsrechte von Kindern und Jugendlichen besonders am Herzen liegen, freute er sich, dass ihm in Zittau von positiven Erfahrungen mit der Verwaltung und den kommunalen Politikern berichtet wurde.