Strompreiserhöhungen ? Menschen sollten darauf achten, welches Unternehmen ihnen die Hintergründe für die Preiserhöhung transparent begründet oder welches sich auf die ewig gleichen Ausreden und Schuldzuweisungen beschränkt

Lippold: Beim genaueren Hinschauen entpuppen sich wesentliche Teile der Preiserhöhung als Kosten, die aus Systemkonflikten in einer verschleppten und verzögerten Energiewende entstehen

Dresden. Zu den zum Jahresbeginn angekündigten Strompreiserhöhungen erklärt Dr. Gerd Lippold, energiepolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

"Wenn jetzt Anbieter wie etwa EnviaM wegen steigender Netzentgelte die Strompreise für Privatkunden erhöhen, weil es ihnen nicht gelungen ist, diese durch dank Energiewende gefallene Beschaffungspreise zu kompensieren, so ist das zunächst deren eigene unternehmerische Entscheidung."

"Die Kundinnen und Kunden haben aber ein Recht auf Preistransparenz. Angesichts der Möglichkeit, den Stromanbieter frei zu wählen, sollten die Menschen darauf achten, welches Unternehmen ihnen die Hintergründe für die Preiserhöhung transparent begründet und vorrechnet und wer sich auf die ewig gleichen Ausreden und Schuldzuweisungen beschränkt."

"Beim genaueren Hinschauen entpuppen sich wesentliche Teile der höheren Kosten nicht etwa als Kosten der Energiewende, sondern als Kosten, die aus Systemkonflikten in einer verschleppten und verzögerten Energiewende entstehen."

"Die Höhe der EEG-Umlage ist schon seit Jahren kein Maß mehr für den Ausbau erneuerbarer Energien. Ihre Herleitung aus Differenzkosten hat zur Folge, dass die EEG-Umlage allein dann schon steigt, wenn der Börsenstrompreis sinkt - selbst wenn nicht ein einziges Windrad, nicht eine einzige Solaranlage neu installiert wäre. Die Summe aus EEG-Umlage und Börsenstrompreis ist hingegen seit Jahren stabil."

"Auch bei den Netzentgelten lohnt sich genaueres Hinschauen. Der Bedarf zur Modernisierung der Netze nach der Wende hat im Osten zu relativ neuen Netzen geführt, deren laufende Abschreibung regional umgelegt wird. Das trägt zu den höheren Netzentgelten im Osten bei. Doch auch im Westen stehen nun Netzsanierung und Netzausbau an. So ist es kein Wunder, dass nach jahrelangem Zögern in Bund und Altbundesländern nun eine Einigung auf einheitliche Netzentgelte möglich wird. Die Folge: nachdem die Stromkunden im Osten ihre neuen Netze weitgehend allein abgezahlt haben, dürfen sie dann künftig über vereinheitlichte Entgelte auch die anstehende Modernisierung im Westen mit bezahlen, anstatt nach Auslauf der Abschreibung im Osten zu profitieren."

"Eine weitere Komponente der steigenden Netzentgelte sind die sogenannten Redispatchkosten. Diese fallen an, wenn konventionelle oder erneuerbare Erzeuger wegen Netzengpässen vom Netz müssen oder ungeplant betrieben werden. Anders als häufig behauptet, ist das keineswegs alles vergüteter, aber nicht abgenommener Windstrom. Die Hälfte bis zwei Drittel der Zahlungen entfallen auf Redispatch fossiler Kraftwerke, die nicht wie geplant betrieben werden können, weil sie in Zeiten der Energiewende die Netze zur Unzeit verstopfen."

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Andreas Jahnel, Pressesprecher

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