Der Wahlkreis

Wahlkreis 56
Niederschlesische Oberlausitz 1

  • Bad Muskau
  • Boxberg/O.L.
  • Gablenz
  • Groß Düben
  • Hähnichen
  • Klitten
  • Krauschwitz
  • Kreba-Neudorf
  • Rietschen
  • Rothenburg/O.L.
  • Schleife
  • Trebendorf
  • Weißkeißel
  • Weißwasser/O.L.

Wer bin ich?

Ich bin 35 Jahre alt und verheiratet. Ich bin in Reichenbach (Oberlausitz) aufgewachsen, habe dort die Schule besucht, später in Görlitz studiert und in unserem Landkreis gearbeitet. Seit 2000 lebe ich in Quolsdorf bei Rietschen. Durch meinen Beruf als Diplom-Sozialpädagogin liegt meine größte Kompetenz im Bereich Sozialpolitik. Ich war in verschiedenen Bereichen tätig und daher reichen meine Erfahrungen von der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, über Straffälligenhilfe bis zu meinen heutigen Tätigkeiten als Geschäftsführerin der ambuS GmbH und therapeutische Fachkraft in der Suchtberatungsstelle Löbau.

Warum die Grünen?

Wie viele meiner Generation habe auch ich ein kritisches, fast misstrauisches Verhältnis zu politischen Organisationen und Entscheidungsträgern. Gleichzeitig möchte ich mich aber auch einmischen und die Dinge zum Besseren verändern. Also habe ich mir die Partei ausgesucht, in der einerseits Althergebrachtes kritisch analysiert und weiter entwickelt wird, und deren Mitglieder andererseits keine Angst vor Gegenwind haben. Deshalb bin seit Mitte der 90er Mitglied bei den Bündnisgrünen. Ich habe verschiedentlich Funktionen im Kreisverband als Sprecherin bzw. als Delegierte des Kreisverbandes übernommen und war bis 2002 aktives Mitglied in der LAG Frauen und habe Sachsen im Bundesfrauenrat vertreten. 2004 und 2008 bin ich Kandidatin bei den Kommunalwahlen angetreten.

Dafür setzte ich mich ein

Die niederschlesische Oberlausitz war schon immer eine eher arme Gegend, in der Mehrzahl magerer Boden und sicher aus diesem Grund auch dünn besiedelt. Davon auszunehmen ist sicherlich Görlitz in seinen Blütezeiten als Handels- und Textilstadt, Garnisonsstandort oder „Pensionopolis“ sowie seine angrenzenden Bauerngüter (Drei- und Vierseitenhöfe), beispielsweise im Schöpstal. Historische Wirtschaftszweige waren Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Teich- bzw. Fischwirtschaft, Textilproduktion (Weberei, Spinnerei, Färberei), Glasherstellung und -verarbeitung, Steinbrüche und Gruben (Granit, Ton, Lehm etc.) und verarbeitende Gewerke (bspw. Ziegeleien), später auch Maschinenbau und Tagebau (Braunkohle). Während der DDR-Zeit wurden für diese geschilderten Voraussetzunge zu üppig dimensionierte Industriebetriebe angesiedelt, teilweise schon eingestellte, da unrentable Wirtschaftszweige wiedereröffnet (bspw. Braunkohle). Große Menschenmengen aus allen Teilen der Republik wurden hergeholt und mit Arbeit und Wohnraum versorgt. Die Folgen dieser künstlichen Industrialisierung sind bis heute wirksam: verschwundene Kombinate, zu viele Menschen für zu wenig Arbeitsplätze, viele Menschen einer Altersgruppe mit nicht mehr benötigten Berufen und nicht zuletzt zu wenig Perspektiven für junge Menschen. Die damit einhergehenden Folgen der Entwicklung der Bevölkerung (Überalterung, Abwanderung) werden zu einem riesengroßen Problem.

Unsere Vorteile sind, dass bestimmte Probleme nicht vorhanden sind – Stichworte Flächenversiegelung, Lärm-, Emission-, Abgasbelastung, Grundstückspreise, Beeinträchtigungen von einheimischer Flora und Fauna. Das sind Ressourcen, die wir bewahren sollten. Wir wohnen, wo andere Urlaub machen! Wenn es bei um den Neubau einer Straße geht, gibt es viele Möglichkeiten, um von A nach B zu kommen. Als Beispiel sei der A4-Tunnel durch die Königshainer Berge genannt, die umwelt- und menschenverträglichste Variante einer Autobahn.

Jedes Frühjahr sehe ich Mengen an Autos mit Berliner Kennzeichen, die in Schwärmen in unsere Gegend kommen, um hier Urlaub zu machen. Großstädter suchen in ihren Ferien: Ruhe, Natur, Verkehrsarmut, wollen ihre Kinder ohne Angst laufen lassen. Sie suchen nicht das, was sie in den Großstädten haben, sondern genau das Gegenteil. In unserer Gegend gibt es viele leer stehende Häuser und Häuschen. Jemand der bei uns ein Ferienhaus oder einen Altersruhesitz kauft, bringt regelmäßig Geld mit, beschäftigt einheimische Handwerker, kauft bei uns ein und nutzt die Freizeitmöglichkeiten vor Ort. Es gibt bei uns Dinge, die es woanders kaum oder nicht zu familienfreundlichen Preisen in entspannender Umgebung gibt (Kulturinsel Einsiedel, Biosphärenreservat, Erlichthof, Bikerranch, Reiterhöfe, Fürst-Pückler-Park etc.), inklusive der Möglichkeiten für „Endeckungsreisen“ nach Polen und Tschechien (Schlesien, Riesengebirge usw.)

Das bedeutet:

  • Natur und Industrie sind nicht oder nur begrenzt vereinbar!
    Umwelt- und Naturschutz im Zusammenhang mit sanftem Tourismus ist nicht nur vernünftig, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze schafft: Personal/Einrichtungen für Kinder- und Seniorenbetreuung, Führungen, Ausflugsorganisatoren, Fahrer für Kleinbusse, Hauspersonal für Wohlfühlen/Sauberkeit/Kulinarisches, Animateure für Veranstaltungen (Lagerfeuerromantik, Exkursionen, Tierbeobachtungen) , Souvenirproduktion/-verkauf (bspw. einheimisches traditionelles Handwerk), Gärtner und Landschaftspflegepersonal für wilde und gepflegte Natur, Kursleiter für Freizeitangebote.

  • Ja zu erneuerbaren Energien!
    Der Bereich der erneuerbaren Energien ist größte Wachstumsbranche auch in der Krise. Niemand wird gern dort Urlaub machen, wo Fabrikschornsteine rauchen!

  • Investitionen im Sozialbereich sind wirtschaftlich!
    Jeder Euro, der heute und sozial in die Menschen investiert wird, wird langfristig dafür sorgen, dass diese Menschen wieder einen Arbeitsplatz finden können. Dazu muss vor allem im Bereich der Bildung und Hilfen investiert werden. Jeder Jugendliche, der ohne Schulabschluss abgeht ist ein potentieller Hartz-IV-Empfänger. Ein Sozialarbeiter, dem es gelingt, dass in einem Jahr bspw. nur zwei Jugendliche nicht in Haft kommen, hat sein Gehalt selbst erwirtschaftet. Jede verhinderte Herausnahme von Kindern aus der Familie, weil in die Eltern investiert wird, damit sie ihre Kinder weiter selbst versorgen können, ist eine Investition, die sich rechnet.
    Die gezielte Absicherung der Daseinsvorsorge (ÖPNV, Gesundheitssorge etc.) für ältere Menschen auf dem Land wird dafür sorgen, dass sie sich länger selbst versorgen können und nicht in ein Heim müssen. Auch damit können Folgekosten bei den Sozialleistungen reduziert werden. Ein solches Vorgehen schafft Arbeitsplätze!

Meine Interessen als hier lebende Bürgerin und Einwohnerin beziehen sich ganz konkret auf den Bereich der Lebensqualität in allen Dimensionen. Wenn es keine öffentlichen Verkehrmittel oder die entsprechend notwendige Infrastruktur, keine erreichbaren Arbeitsplätze oder Schulen (usw., usf.) gibt, dann ist damit die Vitalität eines ganzen Gemeinwesens betroffen. Die Folgen werden mit jedem Tag des Nichtstuns schwerer zu beheben.

Jeder junge Mensch, der die Region verlässt, ist ein Verlust. Er wird hier keine Familie gründen, kein Haus bauen, nicht in Vereinen aktiv sein und sich auch nicht um seine älter werdenden Eltern kümmern können. Jeder Bürger, der sein Einkommen nicht aus der eigenen Hände Arbeit sichern kann, wird entweder weggehen oder ein dauerhafter Empfänger von Hartz IV. Die Menschen, die bleiben (müssen), haben keine Lebensperspektive. Hilflosigkeit und Unzufriedenheit machen auf Dauer krank und beeinträchtigen letztendlich auch die Fähigkeiten zur Arbeit. Zwangsläufig werden die Sozialausgaben massiv steigen und der Gestaltungsspielraum der Kommunalpolitiker parallel sinken. Diese Entwicklung will ich nicht tatenlos hinnehmen. Ich will etwas tun!

Es ist an der Zeit, dass sich das Land Sachsen dieser Situation stellt und, aktiv Impulse setzt, statt die Bürger unserer Region mit ihren Problemen allein zulassen.